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Archäologische Ausgrabung in Markelfingen, künftiges Baugebiet „Im Tal“ Teil 2

Kreisarchäologe Dr. Jürgen Hald und der Projektleiter der Grabungsfirma “Archaeotask” Andreas Gutekunst führten am 02.10.2019 – bei stürmischem, regnerischem Wetter – mehr als 40 Interessierte durch die Ausgrabungsstätte im zukünftigen Neubaugebiet „Im Tal“ am alten Ortsrand von Markelfingen.
Die an einem flachen Südwesthang gelegene Grabung, ca. 200m östlich des Mühlbachs, weist eine Reihe von siedlungsgünstigen Faktoren auf, die Dr. Hald im Herbst 2018 zu systematischen Probeschürfungen veranlassten.
Von ca. 5ha des zukünftigen Baugebiets sind ca. 1ha einschließlich des Regenrückhaltebeckens von den Grabungsarbeiten betroffen. Aufgrund der so nicht erwarteten Funde wurde Mitte Juni 2019 mit vorgezogenen Ausgrabungen begonnen, die bis Herbst 2019 andauern werden.
Die Funde der 2. Führung
Römischer Brunnen ca.3,5 m tief
hierin Dachziegel, Schlachtabfälle, Keramik und menschliche Bestattung – einzigartig im süddeutschen Raum
Die Entscheidung über eine weitere Ausgrabung des Brunnes steht noch nicht fest.
Eine sehr seltene römische Münze aus der Zeit des Caligula
(Römischer Kaiser von 37 – 41 n. Chr.)
Eine römische Herdstelle
Zwei römische Schatzkisten, leider beide leer
Ein römischer Griffel
Ein Teil eines chirurgisches Bestecks, römisch
Eine römische Gewandnadel
Wand- bzw. Fußbodenschmuck “Opus sectile”
Laut Dr. Hald sind – bis auf die Caligula-Münze – die Funde in die Zeit um 250 n.Chr. einzuordnen.
Über dem römischen Befund eines der Gebäude erstreckte sich ein germanisches Steinpflaster, Merowinger-Zeit 600-800 n.Chr.
15 in unserer Region sehr seltene “Steckkreuze”, um 600- 800 n.Chr.
Mehrere kleine Feuerstellen mit verbranntem Getreide, ggf. Hinweis auf eine frühe sakrale Nutzung des Gebäudes
Bronze Niet-Kopf eines Merowinger-Schwerts
Dr. Hald stellte abschließend den zeitlichen Hintergrund der germanischen Funde dar, in welchen diese Funde einzuordnen sind.
Es war die Zeit der Christianisierung unserer Region durch Columban, Gallus und Gefährten.
Möglicherweise bildet die Fundlage die Übergangszeit von germanischen zu christlichen Riten ab.
Endgültige Aussagen sind aber erst nach Abschluss der Arbeiten an den Funden zu erwarten.
Mit einem “Es bleibt sehr spannend” und “eine weit über die Region bedeutende Fundlage” schlossen Dr. Hald und Herr Gutekunst die gut
eineinhalbstündige Führung ab.