Verein will lebendiges Museum (Südkurier vom 09.05.2009)

„Vom Feuerstein zum Schlossbrand” war der griffige Titel der ersten Veranstaltung, mit der sich der neue „Förderverein Museum Bodman-Ludwigshafen“ in Bodman der Öffentlichkeit vorstellte.

Bodman – Der erste öffentliche Auftritt des zurzeit 95 Mitglieder zählenden Museumfördervereins war ein voller Erfolg. Dies nicht nur wegen der Qualität der drei Vorträge, die Wilderich Graf von und zu Bodman, Kreisarchäologe Jürgen Hald und Helmut Schlichtherle vom Landesdenkmalamt hielten, sondern auch wegen des starken Besuchs der Veranstaltung. Schon vor dem Beginn drängten sich die Besucher um die Tische.

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Ein flüssiges Dankeschön gab es zum Schluss der Veranstaltung aus der Hand der stellvertretenden Vorsitzenden des Fördervereins Museum Bodman-Ludwigshafen, Ute Weimann, für die drei Referenten des Abends in der Obsthalle. Im Bild Helmut Schlichtherle und sitzend rechts Graf Bodman.
Bild: Exner
Man brauche nicht bei Null anzufangen, stellte der Graf Bodman bei der Begrüßung fest, weil man auf einer im Rathaus von Bodman untergebrachten vorgeschichtlichen Sammlung aufbauen könne, die es schon seit 1977 gebe. Allerdings führe sie eher ein Dornröschendasein., Das neue Museum solle „kein verstaubter Kasten” werden sondern „ein lebendiges Museum mit Veranstaltungen und Ausstellungen”.

Das Museum im heutigen Rathausgebäude und neben der dann umgebauten Obsthalle wird neben der Sammlung von 1977 auch weitere Objekte, darunter auch Leihgaben aus dem gräflichen Haus, zeigen und soll neben den Ausstellungsräumen eventuell auch einen Geschichtsweg durch beide Ortsteile von Bodman-Ludwigshafen umfassen.

Inhaltlich wird die Siedlungsgeschichte von der Eiszeit bis zur Moderne dargestellt. Selten, so rief der Graf in die Obsthalle, sei eine Siedlungsgeschichte von der Eiszeit bis zur Moderne mit so interessanten Stücken darzustellen wie in Bodman.

Dass dem so ist, ging auch aus dem „Gang durch 20 000 Jahre Siedlungsgeschichte” hervor. Helmut Schlichtherle beleuchtete die Entwicklung von der Mittleren Steinzeit bis zu den Pfahlbauten. Zu den Funden zählten auch Reste einer bronzezeitlichen Brauerei, die sich, wie Schlichtherle schmunzelnd feststellte, just am Ortseingang von Bodman befand, wo heute ein Getränkemarkt seine Geschäfte betreibt.

Mit nicht viel weniger interessanten Informationen wartete Jürgen Hald auf. Er berichtete nicht nur von römischen Gutshöfen und einer Anlegestelle der Römer, die man beim Ludwigshafener Strandbad vermutet, sondern auch von einem römischen Mühlstein, den man 2004 bei Bauarbeiten im „Immengarten” ausbuddelte.

Graf Bodman wiederum stieg in die Geschichte des fränkischen Königshofs ein, der nicht weniger als zehn Karolingerkönige nach Bodman führte. Karl der Dicke unterzog sich hier nicht nur einer Kopfoperation sondern regierte von hier aus zeitweise sogar ganz Europa.,

Bei Schilderung der Geschichte des Hauses derer von und zu Bodman kam natürlich auch der legendäre Schlossbrand zur Sprache, den nur der kleine Johannes überlebte, weil ihn eine Amme in einem heute noch im Schloss aufbewahrten Kessel von der brennenden Burg herabließ. Von ihm stammen bekanntlich alle heute lebenden von und zu Bodman ab.

Die stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, Ute Weimann, beschloss den Abend nicht nur damit, dass sie die drei Referenten mit einem kleinen Dankeschön bedachte, sondern auch mit dem Hinweis auf Anmeldezettel für den Förderverein.

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